In erster Linie möchte ich meine kostbare Zeit aber einer Sache widmen: meinen Kindern. Sie sind es wert, dass weiß ich genau. Ich möchte meinen Kindern Zeit schenken und nicht Geld. Liebe - und zwar in Form von Aufmerksamkeit und Verfügbarkeit, nicht durch Geschenke. Begleitung, Unterstützung, einfach "Da sein". Das ist mir soviel wichtiger als beruflicher Erfolg oder ein paar Nullen mehr am Konto.
Wenn ich von einer Lebenserwartung von optimistischen 80 Jahren ausgehe und meine "Kinder-und Jugendzeit" abziehe (also 20 Jahre) verbringe ich von den verbleibenden 60 Jahren normalerweise ca. 45 Jahre mit Geld verdienen und arbeiten. Eine ganze Menge! Wie viel Zeit "gönnen" wir heute unseren Kindern? Und damit meine ich wirklich "gönnen" - also nicht die schnelle Abfertigung in der Früh, ab in die Schule und am späten Nachmittag abholen aus der Betreuung, Abendessen, schnell noch ein Buch oder ein Spiel und dann ab ins Bett...
Sagen wir es einmal so: als "optimal" wird derzeit 1 einziges Jahr pro Kind gesehen, das wird einer Mutter zugestanden, während dieser Zeit bekommt sie (zumindest hier in Ö) die optimale, finanzielle Unterstützung - d.h. sie kann es sich finanziell wirklich leisten, daheim zu bleiben. Traurig, finde ich. Und dabei weiß ich, dass es uns hier in Ö noch ziemlich gut geht, diesbezüglich. Immerhin steht es uns (noch!) frei, 18 weitere Monate beim Kind zu bleiben - allerdings wird es dann bei den meisten Familien schon recht knapp in der Haushaltskasse. Zudem ist nach spätestens zwei Jahren der Job nicht mehr gesichert. Aber immerhin gibt es diese Möglichkeit. Wie lange noch, stellt sich die Frage? Vor kurzem habe ich einen Artikel über die Entwicklung der Familien in Ö gelesen. Das wir viel mehr Kindergrippen brauchen, damit alle Frauen schnell wieder zurück in den Job dürfen. Irgendwo stand dann das Wort "Wahlfreiheit". Aha, dachte ich . Endlich! Doch als ich weiterlas, war ich richtig wütend: "Wahlfreiheit, den Beruf und das Kind so zu verbinden, wie es gewünscht wird." Die Möglichkeit, sein Kind selbst zu betreuen, war nicht einmal eine Erwähnung wert!
Ich bin ernsthaft traurig über diese Entwicklungen. Wenn eine Affenmutter ihr Kind zurücklässt, und anderen Beschäftigungen nachgeht, wird ihr Verhalten als "gestört" eingestuft. Es leuchtet uns allen ein, dass Tiere einen natürlichen Mutterinstinkt haben und diesen zum Wohle von Kind und Mutter ausleben. Nur bei uns Menschen wird dies ignoriert.
Damit meine ich nicht, dass alle Frauen zurück an den Herd müssen (wobei ich nicht sehe, was daran soooo schlimm sein soll - ich sehe es als wichtige Aufgabe, mich um meine Familie zu kümmern und meine Kinder zu erziehen. Vermutlich die wichtigste Aufgabe, die ich in meinem Leben vollbringen werde. Denn die Chancen auf eine Nobelpreis sind gering. Bei den meisten anderen Arbeiten werde ich die Welt wohl nicht "verändern"). Mir geht es darum, dass eine Frau wirklich wählen kann, wie sie leben will und das ist meiner Meinung nach im Moment immer weniger der Fall. Wir sind weit über das Ziel hinausgeschossen und aus der Erungenschaft, dass auch eine Mutter arbeiten gehen KANN ist nun schon fast ein MUSS geworden. Unsere Kinder sollen wir lieber "Fachkräften" überlassen, damit sie alle die selben Grundvoraussetzungen vorfinden (wie war das noch gleich im Kommunismus?). Klar gibt es Kinder, die von einer möglichst frühen Betreuung außer Haus profitieren - bestimmt gar nicht wenige. Aber warum wird dann "normalen" Familien die Kompetenz abgesprochen bzw. warum wird Kindererziehung daheim als etwas so Minderwertiges dargestellt, als absolut unattraktives Lebensmodell? Wenigstens solange die Kinder klein sind, sollten wir diese Variante ebenso ins Auge fassen - die Zeit vergeht so schnell und selbst wenn ich meinen Kindern ein paar Jahre "schenke" bleiben immer noch genug von den "45 Arbeitsjahren" übrig.
Noch kann man frei entscheiden - dennoch entscheidet man sich zeitgleich "für Familie" auch für weniger Geld und Einbußen beim Lebensstandard. Das ist nicht fair, finde ich. Fremd-Kinderbetreuung wird vom Staat hoch gefördert. Wenn ich es selber machen will, schaue ich durch die Finger. Aber es ist es wert. Hilfreich dabei: zu erkennen, dass Geld nicht glücklich macht, dass man auch mit weniger auskommt, dass es ganz andere Dinge sind, die zählen!
Ich möchte da sein, wenn mein Kind die ersten Worte spricht, die ersten Schritte macht, wenn es die Bienchen im Garten beobachtet, sich das Knie stößt, wenn es eine Gute-Nacht Geschichte braucht und wenn es aus der Schule oder dem Kindergarten kommt, soll eine liebevoll zubereitete Mahlzeit auf es warten. Es darf selbst bestimmen, wann es spielen möchte und wann es sich nach Ruhe sehnt. Wann es basteln und singen möchte. Wann ES möchte - nicht wann es in der Gruppe gerade auf dem Plan steht. Ich möchte da sein, wenn es Hilfe bei den Hausaufgaben braucht, wenn es reden will, wenn es traurig ist und auch, wenn es sich alleine beschäftigen möchte. Aber es weiß genau: es kann jederzeit zu mir kommen. Ich werde da sein.
Natürlich meine ich damit nicht, dass ich mich nicht mehr von zuhause fortbewege und auf meinem Kind klebe - mein Ziel ist es, dass ich meine "Hauptzeit" meinen Kindern widmen kann. Arbeit außer Haus soll sich nach den Kindern richten und nicht umgekehrt. Und wenn ich nicht da sein kann, soll meinen Platz eine andere Person einnehmen, die meine Kinder liebt - der Vater, die Oma,... Das ist mein Traum und ich wünsche mir dabei genau so viel Unterstützung, wie ich sie mir erwarten könnte, wenn ich den anderen Weg (den der vollen Berufstätigkeit) wählen würde!